Ex Fallmanager vom Jobcenter packt aus!

Fiete Jensen

Rund 8000 Anbieter kämpfen in Deutschland um die Vergabe von sogemnannten Bildungsmaßnahmen für Langzeiterwerbslose. In der Branche herrscht ein hoher Preisdruck. Und auch die Jobcenter-Mitarbeiter/innen haben zu kämpfen. In dem ZDF-Film „Weiterbildung ohne Sinn: Was sich bei Hartz IV ändern muss“ beschäftigte sich der Journalist Patrick Stegemann am letzten Mittwoch mit diesem Thema. In der ZDF-Sendung ist zu sehen, wie Mitarbeiter unter Druck gesetzt werden, die von den Agenturen gebuchten Kurse mit Erwerbslosen zu füllen. Ob die Maßnahmen für die Betroffenen geeignet sind, scheint dabei zweitrangig zu sein.

Wolfgang Meyer arbeitete früher in einem Jobcenter. Er kündigte, als er in ein Team versetzt wurde, in dem er neue Arbeitslose in Bewerbungskurse bringen sollte. zdf-screenshot

Der EX-Fallmanager Wolfgang Meyer arbeitete jahrelang in einem Jobcenter und kündigte, als er in ein Team versetzt wurde, in dem er neue Arbeitslose in Bewerbungskurse drängen sollte. Unabhängig davon, ob diese Kurse für die Arbeitslosen überhaupt geeignet sind.

Meyers Erklärung für das Vorgehen der Jobcenter: „Jeder/r die/der an so einer Maßnahme teilnimt erscheint nicht in der Arbeitslosenstatistik – und das sind viele Menschen.“ Auch Meyer und seine Mitarbeiter seien unter Druck gesetzt worden, behauptet der frühere Jobcenter-Mitarbeiter: „Da kursiert die Angst und dann wird gemacht was man von den Mitarbeiter/innen verlangt. Egal, wie sinnhaftig das Ganze ist.“

Tweet von Mila: Meine Mutter ist seit gestern in einer #Hartz4 Maßnahme und soll dort solche Aufgaben lösen. Das ist pure Erniedrigung erwachsener intelligenter Menschen. Aber wenn sie fort bleibt drohen #Sanktionen“. Bild Screenshot ZDF

Meyers früherer Arbeitgeber, das Jobcenter Bremen, wehrt sich. Im ZDF meint die Geschäftsführerin der Behörde, Susanne Ahlers: Die von Meyer geschilderten Vorgaben seien „nicht zielführend“, die Behörde wolle einfach das ihr zur Verfügung gestellte Budget ausschöpfen.

Im ZDF berichtet die Hartz-IV-Empfängerin „Mila“ von einer solchen Maßnahme: Einfachste Matheaufgaben hätte sie lösen müssen: „Als ob ich im Kindergarten angefangen hätte.“ Später sollte sie Mandalas ausmalen und basteln. Die Erklärung des Unternehmens: Sinn der Maßnahmen sei es gewesen, „die Feinmotorik, Konzentration und Sorgfalt der Frauen und Männer zu ermitteln“.
Die Vorwürfe von Zechmeister sind kein Einzelfall. Anfang des Jahres ging der Tweet einer Nutzerin viral, die sich über die Maßnahmen des Jobcenters für ihre Mutter beschwerte. Auf einem Foto waren einfachste Rätselaufgaben zu sehen.

Helfen die Bildungsmaßnahmen den Hartz-IV-Beziehern überhaupt? Bei westdeutschen Arbeitslosen, die an einer Bildungsmaßnahme für ein Jahr teilnahmen, sank laut dem eigenen Forschungsinstitut der Arbeitsagentur die Wahrscheinlichkeit, weiterhin Hartz IV zu beziehen, um lediglich 0,5 Prozent. Bei ostdeutschen Erwerbslosen fiel die Bilanz noch schlechter aus: Dort zeigen die Maßnahmen gar keine Wirkung.

Die Bundesregierung will nachbessern – im Gespräch mit dem ZDF konnte die zuständige Staatssekretärin Leonie Gebers aber nicht sagen, wie genau das Arbeitsministerium das anstellen will.

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